Interview mit Christoph Grausam
An der Thuraurer Mühle im Naturpark Oberer Bayerischer Wald treffen wir Christoph Grausam, Ranger mit Verantwortung für rund 60.000 Hektar – ein Teilgebiet eines Parks, der insgesamt fast 180.000 Hektar umfasst. Seine Aufgabe ist es, diese wertvolle Landschaft zu bewahren und zugleich Besuchern erlebbar zu machen.
Die Vielfalt der Natur hier ist beeindruckend: Zahlreiche Lebensräume wechseln sich ab, und die Schwarzach fließt frei durch die Landschaft.
Mit ihren Weiden, Erlen und den unterschiedlich schnellen Strömungen bietet sie unzähligen Tierarten Heimat – von Bibern bis zu Libellen, von Amphibien bis zu Fledermäusen und Vögeln.
Doch diese Schönheit ist empfindlich.
Christoph betont, wie wichtig es ist, dass Besucher ihren Teil zu einem nachhaltigen Tourismus beitragen. „Auf den ausgeschilderten Wegen bleiben“ klingt vielleicht selbstverständlich, ist aber entscheidend: Arten wie das Auerhuhn oder die Wildkatze reagieren extrem störungsempfindlich. Auch die Hohltaube, die hier noch vorkommt, braucht ungestörte Rückzugsräume. Wer querfeldein geht, riskiert, diese Tiere dauerhaft zu vertreiben.
Als Ranger kümmert sich Christoph nicht nur um den Schutz der Natur, sondern auch um Umweltbildung, Landschaftspflege und den Erhalt von Kulturstätten wie der historischen Thuraurer Mühle.
In Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten bringt er schon Kindern nahe, warum es sich lohnt, achtsam mit der Natur umzugehen.
Auch große Wildtiere wie Luchs und Wolf finden in der Region Platz. Beide Arten sind scheu und für den Menschen weit weniger gefährlich, als es oft dargestellt wird. Monitoring-Projekte liefern wichtige Erkenntnisse über ihre Verbreitung und tragen dazu bei, dass sie langfristig in unserer Kulturlandschaft bestehen können.
Wer die Wanderwege, Lehrpfade und Aussichtspunkte im Oberen Bayerischen Wald besucht, erlebt eine einzigartige Landschaft – aber trägt auch Verantwortung.
Jeder Schritt entscheidet darüber, ob seltene Arten hier weiterhin ein Zuhause finden.