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Naturführer

Interview mit Woid Woife

Wir sprechen heute mit dem Woid Woife über das Arbergebiet mit seinen besonderen Tieren und dem Schutzgebiet. Außerdem bekommen wir wieder wichtige Tipps, wie man sich im Wald und gegenüber den Tieren am besten verhalten sollte. Unterhalb des Arbergipfels, im Naturpark Bayerischer Wald, treffen wir auf einen großen, bärtigen Mann, der mittlerweile weit über die Region hinaus bekannt ist – der Woid Woife. Mit einer von Herzen kommenden Leidenschaft für den Wald widmet er sich der Natur, das spürt man auch deutlich auf einer von ihm geführten Wanderung. Wir sprechen mit ihm über Wald, Naturschutz und die Schönheit des Einfachen. 

Mona: Hey, der Woife. Schau her
Woife: Ja servus, grüß euch. Was macht ihr?

Mona: Wir sind gerade auf der Transbayerwald unterwegs. Was treibst du hier oben?
Woife: Ich bin immer hier oben. Erst schaue ich hinunter und dann schaue ich wieder in den Wald.

Mona: Gut, dass wir dich treffen. Wir fahren ja gerade auf der Hochzell, kannst du uns sagen was es damit auf sich hat?
Woife: Das ist ein Hochplateau und du musst dir vorstellen, dass die Flächen seinesgleichen suchen. Alles ist so großflächig, dass es mehrere Biotope hier oben gibt. Auf der einen Seite gibt es eine Sumpfgegend und auf der anderen ist der trockene Wald mit den Fichten. Außerdem gibt es das Buchweitel mit den Buchen. Der Namen stammt noch von früher. Die Tierwelt ist hier auch wunderbar ausgeprägt und es gibt besondere Tierarten, wie beispielsweise den Auerhahn und das Auerhuhn. Die Jungen müssen nicht weit fliegen, weil sie gleich daneben wieder ein Territorium finden, was mit Sicherheit ein ganz besonderes Juwel für unser Arbergebiet ist.

Mona: Was hat es mit diesen Schutzzonen so auf sich? Da gibt es auch zeitlich begrenzte Wegesperrungen, oder?
Woife: Mittlerweile gibt es mehr oder weniger Schutzgebiete, aber es spielt nicht so eine große Rolle, wenn man im Juli oder August durch den Wald spazieren geht oder auch durch das Auerhahn- Schutzgebiet, weil sie dann wegfliegen. Nachts finden sie noch zum Fressen und bei der Balz stört man sie auch nicht. Die Jungen sind außerdem auch schon so groß, dass sie flüchten können.
Während der Balzzeit im Winter wäre es allerdings problematisch, weil man die Tiere dann enorm stört. Es könnte passieren, dass der Auerhahn den Balzplatz verlässt und es deswegen keinen Nachwuchs gibt in dem Jahr. Generell ist der Winter ein Problem, weil es hier oben auch mal minus 20 Grad haben kann. Wir gehen abends heim und trinken einen heißen Tee. Der Auerhahn ist zwei oder dreimal aufgesprengt worden, allerdings bleibt er hier oben standorttreu und vielleicht reicht ihm die Energie dann nicht mehr, um die Nacht zu überstehen. Er erfriert auf gut Deutsch und das wissen die meisten nicht. Aber wenn sich jeder ein bisschen daranhält und jeder einen Schritt zurückgeht, dann ist viel gewonnen und dann ist es überhaupt kein Problem mehr.

Mona: Von wann bis wann ist dann genau die Schutzzeit?
Woife: Das ist vom 1. November bis in den Juli. Ab dem 1. Juli darfst du dann wieder laufen. Ab November ist also gesperrt, denn da geht es schon auf den Winter hin und alles etwas ruhiger wird. Über den Winter herrscht sowieso Ruhe und dann wird die Balzzeit mitgenommen. Das heißt also, dass die Balzzeit Ende März, Anfang April losgeht, da sind die Tiere natürlich ganz extrem störungsempfindlich in der Zeit.
Wenn man den Auerhahn wirklich stört, kann es sein, dass er wegfliegt und nicht mehr wiederkommt.

Mona: Wir haben ihn schon öfter auf Fotos gesehen, das sind wirklich schöne Tiere.
Woife: Der Auerhahn ist auch unser Wappenvogel. Jeder von uns sollte eigentlich hier im Naturpark stolz darauf sein, dass wir ihn als Wappenvogel haben dürfen. Wenn jeder etwas aufpasst, dann ist auch alles in Ordnung.

Mona: Wenn man schon bei dem Thema Aufpassen ist: Was können wir als Mountainbiker tun oder worauf sollen wir achten, wenn wir im Wald unterwegs sind? Was würdest du uns raten?
Woife: Jeder soll sich einfach einigermaßen vorsichtig verhalten und die Schutzzeiten beachten. Da hast du eh schon gewonnen und in der Zeit kommst du einfach nicht hierher, das ist das Wichtigste. Man soll auch nicht kreuz und quer im Wald unterwegs sein. Wenn ich mit einer Wandergruppe durch das Auerhahnschutzgebiet gehe, sind da ca. 20 Leute dabei und die habe ich einmal dadurch geführt. Wenn aber an dem Tag 50 oder 60 Leute einzeln durchrennen und kreuz und quer gehen, dann ist der Druck wesentlich höher. Deswegen am besten nicht viel streuen, sondern zwei, drei Gruppen zusammenlegen und dann einmal durchgehen. Dann ist die Sache erledigt. Ich glaube, dass das tatsächlich das A und O der ganzen Sache ist.

Mona: Wie kann man sich besser im Einklang mit der Natur bewegen? Davon abgesehen ob man Radfahrer, Wanderer oder Naturliebhaber ist.
Woife: Ich habe ein relativ ruhiges Leben und versuche überall, wo ich bin und wo ich hingehe, mich nicht zu verstecken. Die Tiere sollten dich von weitem noch sehen. Ich habe aber schon Leute hier gesehen, die den Radio anhatten, sodass man den Radio über zwei Kilometer hinweggehört hat. Man hat hier nicht nur selber die Beschallung, sondern rundum die ganzen Tiere. Man sollte sich also einigermaßen leise verhalten und seinen Fußabdruck, sowohl akustisch als auch optisch, so klein wie möglich in der Natur halten.

Mona: Das Thema Müll und so Geschichten sind ja auch sehr präsent. Man sollte einfach schauen, dass man seine Sachen wieder mitnimmt.
Woife: Es ist wirklich sehr traurig, dass wir überhaupt über das Thema Müll reden müssen und die Menschen noch darauf aufmerksam machen müssen, dass sie den Müll auch wieder mit nach Hause nehmen müssen.

Mona: Wir sind jetzt doch eine Zeit mit dem Rad unterwegs. Was kann man im Arberland am Wegrand so Besonderes entdecken, wenn man die Strecken entlangfährt?
Woife: Wenn man sich jetzt die Blumenwelt anschaut, wäre das Besondere mit Sicherheit der Herbstenzian, ein richtig schöner blauer Enzian. Von weitem sticht er schon ins Auge.
Wenn ihr jetzt zum Beispiel stehen bleibt und eine Pause macht, könnt ihr am Wegesrand in der Früh mal einen Baumstumpf kontrollieren. Man kann vielleicht ein paar Schuppen von einem Fichtenzapfen entdecken und weiß dann, dass ein Eichkätzchen hier auf dem Baumstumpf seine Nahrung gefunden hat. Allein so eine kleine Sache sind schon etwas Schönes, finde ich

Mona: Man bekommt so auch wieder einen besseren Blick auf die Details und lernt wieder, dass man die kleinen Sachen sehen und schätzen sollte.
Woife: Die kleinen Sachen sind für mich die schönsten, die es gibt. Wer sich an dem Kleinen nicht mehr erfreuen kann, der hat das Große überhaupt nicht verdient. Früher hat man gesagt, wer den Pfenning nicht ehrt, ist des Talers nicht wert. Wer verlernt hat sich zu freuen, wenn man Blaumeisen sieht, hat es meiner Meinung nach auch nicht verdient einen großen Hirsch beim Röhren zu sehen.

Mona: Ich freue mich jetzt dann auf alle Fälle auf den Enzian. Wenn wir weiterfahren und ich den ersten Enzian sehe, dann werde ich an dich denken.
Woife: Da freue ich mich. Ich denke an euch, wenn ich meinen ersten Bärwurz trinke.

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Naturführer Woid Woife auf der Hochzell beim Großen Arber - © Tourismusverband Ostbayern e.V., Foto: Norman Bielig